| Veranstaltung: | BuFaK WiWi Bremen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4.3. Neue Positionspapiere |
| Antragsteller*in: | Sevgi Ekici (fsi wiwiss) |
| Status: | Angenommen |
| Eingereicht: | 14.05.2026, 12:24 |
A12: Förderung von Studierenden aus nichtakademischem Hintergrund
Antragstext
Studierenden aus nichtakademischen Familien fehlt ein festes Netz aus sozialen
und
finanziellen Ressourcen. Der Ausgleich dieser Defizite wirkt stark psychisch
belastend und schränkt die Lebensqualität während des Studiums erheblich ein.
Der
Anteil von Kindern aus Arbeiterfamilien, die überhaupt ein Studium aufnehmen,
liegt
bei nur rund 25 Prozent.[1] Die BuFaK WiWi fordert daher von den Hochschulen und
Ländern die Einrichtung eines fest in das Universitätssystem eingebundenen
Unterstützungsnetzes, das strukturelle Hürden abbaut und Chancengleichheit
gewährleistet.
1. Aktuelle Situation
In den Familien dieser Studierenden fehlen häufig Personen, die die Universität
als
Struktur kennen und Orientierung geben können. Was andere Studierende aus ihrer
Umgebung mitbekommen und leicht erfragen können, müssen sich Studierende aus
Arbeiterfamilien mühsam aneignen. Die notwendige Fachsprache und
Bürokratiekompetenz fehlt oftmals ebenfalls. Zum Teil müssen diese Studierenden
ihren akademischen Weg ihren Familien erklären oder rechtfertigen.
Falls der Einstieg geschafft ist, fehlt häufig ein Zugehörigkeitsgefühl zur
akademischen Gemeinschaft. Während des Studiums müssen diese Studierenden
oft Jobs nachgehen, selbst im Falle des BAföG-Höchstsatzes. Dies erschwert, dass
sie sich im Studentenleben zurechtfinden und einfinden können.
Im Jahr 2020 konnten lediglich 15 Prozent der Studierenden aus Familien ohne
akademischen Hintergrund bei der Finanzierung ihres Studiums auf die
Unterstützung ihrer Eltern zählen. [2]
Im Jahr 2021 waren 37,9% der Studierenden armutsgefährdet, wobei die Zahl für
Studierende, welche nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, auf 76,1% stieg. [3]
Diese Situation wirkt sich auf multiplen Ebenen negativ auf die Zukunft der
Studierenden aus. Diverse Studien zeigen, dass Studienerfolg und Motivation
einer Person von ihrer sozioökonomischen Situation abhängig sind. [4]
Viele Kinder aus Arbeiterfamilien sind sich dieser Schwierigkeiten bewusst und
treten ein gewünschtes Studium nicht an oder wählen praxisbezogene, sichere
Studiengänge. Die bestehenden Strukturen an Hochschulen berücksichtigen die
spezifischen Bedürfnisse dieser Studierendengruppe nicht ausreichend.
2. Hauptforderungen der BuFaK WiWi
Die BuFaK WiWi fordert die Einrichtung eines fest in das Universitätssystem
eingebundenen Unterstützungsnetzes, welches frühzeitig ansetzt, neue und
potenzielle Studierende aus Arbeiterfamilien begleitet und strukturelle Hürden
abschwächt:
• Einrichtung von Outreach-Programmen in Kooperation mit Schulen, bei denen
Studierende aus ähnlichen Hintergründen berichten, sowie Workshops zu
Wohnungssuche, Bewerbungen und Studienorientierung
• Etablierung akademischer Workshops zu wissenschaftlichem Schreiben,
Zeitmanagement, Selbstorganisation und digitalen Kompetenzen sowie
Lernwerkstätten zur fachlichen Unterstützung
• Aufbau psychosozialer Beratungsangebote mit spezifischem Fokus auf
Klassismus, Imposter-Syndrom, familiäre Entfremdung und finanzielle
Stressoren
• Schaffung materieller Unterstützung durch Laptoppools, vergünstigte
Software-Lizenzen und Jobvermittlung mit flexiblen Arbeitszeiten
Quellen:
[1] Böckler Impuls 07/2010. https://www.boeckler.de/de/grafik-
detail.htm?pageId=7688&image=0
[2] Hochschulbildungsreport 2020.
https://www.hochschulbildungsreport2020.de/fokusthemen/arbeiterkinder
[3] Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/11/PD22_N066_63.html
[4] Wu, H., Guo, Y., Yang, Y., Zhao, L., & Guo, C. (2021). A meta-analysis of
the longitudinal relationship between academic self-concept and academic
achievement. Educational Psychology Review, 1-30

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